Precosent - eine umweltfreundliche Geschenkverpackung

Veröffentlicht am 8. Januar 2021 um 21:46

Sarah und Katharina nehmen aktuell am Tuttlinger Klimapreis Wettbewerb, dem Bundesumweltwettbewerb und dem Energiesuffizienzwettbewerb der Deutschen Umwelthilfe teil.

 

Beim Jugend forscht Wettbewerb 2021 haben sie in der Sparte Arbeitswelt beim Regionalentscheid den 1. Platz und beim Landesfinale einen hervorragenden zweiten Platz belegt.

Geschenkpapiere im Test und Entwicklung der umweltfreundlichen Geschenkverpackung "Precosent"

Wir haben beide große Freude am Verschenken, wobei wir unsere Geschenke auch gerne einpacken. In diesem Zusammenhang ist uns immer wieder aufgefallen, dass es extreme Qualitätsunterschiede bei den Geschenkpapieren gibt und einige der von uns gekauften Papiere bei der kleinsten Berührung reißen oder stark verknittern, beim Verpacken mit etwas feuchten Fingern abfärben, durch Klebestreifen sofort stark beeinträchtigt werden oder beim Beschreiben noch lange eine verwischbare Oberfläche aufweisen. Dies brachte uns auf die Idee, Geschenkpapiere mithilfe verschiedener physikalischer Methoden wissenschaftlich zu testen, um herauszufinden, welches Papier in Qualität, im Preis-Leistungsverhältnis aber auch unter dem Aspekt Umweltfreundlichkeit am meisten überzeugt. Im Anschluss daran haben wir eine eigene umweltfreundliche und nachhaltige Geschenkverpackung auf Baumwollstoffgrundlage entwickelt und diese so zur Perfektion gebracht, dass wir sie aktuell bereits verkaufen dürfen.

 

Das Testfazit

Da die einzelnen Testparameter für die Kunden unterschiedlich wichtig sind, haben wir vor der Erstellung des Testfazits eine Gewichtung vorgenommen. Am ärgerlichsten für den Kunden sind schlecht zu lösende. bzw. Risse hinterlassende Klebestreifen und Risse generell. Aus diesem Grund wurden diese Tests dreifach gewichtet. Ebenfalls ungeschickt sind hässliche Knicke, weshalb dieser Test doppelt gewertet wurde. Die anderen Tests (Trocknungsdauer der Stifte, Abfärben der Papiere durch Feuchtigkeit, Durchweichen mit Wasser oder falsches Recycling) werden einfach gewertet. Eigentlich wäre es uns ein Anliegen, dass die Umwelt geschont wird und die korrekte Entsorgung durch eine verpflichtende Kennzeichnung auf dem Etikett der Papiere ohne Probleme möglich ist bzw. in den FAQs der Homepages der Firmen ein Hinweis auf die korrekte Entsorgung zu finden ist. Da die Ergebnisse für diesen Test aber so schlecht ausfielen, haben wir ihn nicht so stark gewertet, wie es nach unserem Verständnis eigentlich notwendig wäre. Die Reaktion auf Desinfektionsmittel haben wir 0,5x gewertet, da das Desinfektionsmittel sehr schnell einzieht und die Problematik auch erst durch die aktuellen Entwicklungen gegeben sind.

Geschenkpapiere in der Diskussion

Während unserer Forschungen haben wir immer deutlicher gemerkt, dass wir gerne eine umweltfreundliche Alternative zu den bestehenden Geschenkpapieren entwickeln möchten, da die Müllberge, die durch die einmalige Verwendung von Geschenkpapier entstehen, bei Hochrechnung auf Geburtstage, Ostern und Weihnachten sowie weitere Feiern enorm sind. Wenn man mit 100g Geschenkpapier pro Person rechnet, was nicht wirklich viel ist, wären das bei einer einmaligen Geschenkaktion wie an Weihnachten 8000 Tonnen Geschenkpapiermüll für Deutschland.

Neben der reinen Menge kommt hinzu, dass tendenziell Waren immer aufwändiger verpackt werden, was das Recycling der Verpackungen zum Teil sehr schwierig macht, was auch durch die Deutsche Umwelthilfe kritisiert wird.

Vor allem in größeren Städten gebe es laut dem Bericht von Franz-Thomas Wenzel von der Frankfurter Rundschau die Tendenz zu luxuriösen Papieren, die zum einen aufwändig produziert werden und Ressourcen verbrauchen. Der Autor des Artikels führt auch an, dass eine aufwändige Herstellung einen aufwändigen Aufbereitungsprozess bedeutet. In der Papierfabrik lösen die Pulper die Papierfasern im Wasserbad aus dem Altpapier, wobei Aluminium und Kunststoffe aus Beschichtungen sowie Büro- und Heftklammern aussortiert werden müssen. Dann erfolgt das Entfärben der Fasern, was durch Bleichmittel erreicht wird und damit wieder die Umwelt belastet.

Das Entsorgen ist ein zweites Problem: Viele Menschen werfen alles Geschenkpapier in die blaue Tonne. In diese dürfen aber nur einfaches, bedrucktes Geschenkpapier sowie Kartons geworfen werden. Papiere mit Glitzerbeschichtungen, die aus Metall bestehen, müssen in den Restmüll, ebenso Papiere mit hauchdünnen Kunststoffschichten.

Wie von uns selbst bemerkt wurde, sind diese für den Verbraucher allerdings gar nicht immer sofort oder überhaupt erkennbar. Weiterhin müssen aufgeklebte Verzierungen wie Bänder oder Glitzersteine entfernt werden, bevor das Papier in die blaue Tonne geworfen werden darf. Folien hingegen müssen in die Restmülltonne oder in den gelben Sack, was allerdings vom Entsorgungsunternehmen abhängig ist.

Ausgehend von diesen Recherchen haben wir gemerkt, dass wir uns diesem Problem annehmen müssen und den Verbrauchern eine ressourcenschonende, umweltfreundliche, wiederverwendbare und bei der Entsorgung gut verständliche Verpackung bieten wollen. Weiterhin wollten wir auch eine möglichst einfache Verpackung gestalten, damit wirklich jeder damit umgehen und sein Geschenk schön einpacken kann (dies ist mit normalem Geschenkpapier manchmal auch nicht so einfach). Um allerdings erst einmal herauszufinden, ob eine solche Idee überhaupt von den Kunden gewollt wird, haben wir eine Umfrage erstellt und diese ausgewertet.

 

Unsere Umfrage zum Thema Geschenkverpackungen

Bei unserer Umfrage wollten wir wissen, ob Probanden ihre Geschenke verpacken, welche Verpackungsarten sie nutzen, ob sie auf eine umweltbewusste, mehrfach verwendbare Verpackungsalternative umsteigen würden und wie viel sie bereit wären, dafür zu zahlen.[1] Hierbei interessierte uns vor allem, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen und zwischen den Geschlechtern gibt, weshalb wir die Gruppen in drei Gruppen (10 – 20 Jahre, 20 – 50 Jahre und über 50 Jahre) eingeteilt und jeweils 10 weibliche und 10 männliche Personen befragt haben.

Auffällig ist, dass die älteren Menschen ihre Geschenke, unabhängig vom Geschlecht, weniger verpacken. Die jüngeren Generationen packen ihre Geschenke unabhängig vom Geschlecht zu 80% ein.

Auffallend ist, dass alle Geschlechter und Altersgruppen ihre Geschenke mit mindestens 60% in Geschenkpapier verpacken, am meisten die jeweils mittleren Altersgruppen. In Karton verpacken ebenfalls alle, allerdings deutlich weniger Menschen, am häufigsten jedoch die Männer mittleren Alters. In Folie verpacken vorrangig die Frauen in den ersten beiden Altersklassen und ein Mann in der höchsten Altersgruppe. Geschenktüten verwenden wieder alle Probanden, am häufigsten die Frauen im mittleren und hohen Alter und die Männer im mittleren Alter. Holzkörbe verwenden vor allem Frauen mittleren und älteren Alters sowie Männer im mittleren Alter. In Stoffbeuteln verschenken wieder fast alle Probandengruppen, allerdings weniger als in Karton, Geschenktüten oder Papier. In beiden Gruppen packen darüber hinaus noch jeweils zwei Personen ihre Geschenke in Zeitungspapier ein.

95% der Befragten würden auf eine umweltfreundliche Verpackungsalternative umsteigen, nur in der jüngsten weiblichen Altersgruppe und in der höchsten männlichen Altersgruppe haben diese Frage zwei Personen bzw. eine Person mit „Nein“ beantwortet. Dies ist eine gute Grundlage, um sich an eine Produktentwicklung zu wagen.

Die männliche Altersgruppe tendiert zu einem Preis von 1-3€, die weiblichen Probanden würden mehrheitlich 3-5€ ausgeben. Auffällig ist, dass in der jüngsten Altersgruppe bei den Frauen auffällig viele auch 5-10€ ausgeben würden.

Die Entwicklung von "Precosent"

Als Grundlage haben wir uns für Bauwollstoffe entschieden, da diese strapazierfähig sind, gewaschen werden können und eine sehr lange Lebensdauer haben. Wir wollten unser Produkt zunächst mit einem biologisch abbaubaren Ökotex 100% geprüften Baumwollstoff entwickeln, der allerdings zu teuer war, sodass wir auf die Idee kamen, ein Upcyclingprojekt zu beginnen. Bei der Entwicklung unserer Prototypen haben wir zunächst auf Reststoffe unserer Eltern und Betreuerin zurückgegriffen. Nach der Fertigstellung der Prototypen haben wir, da die Zeit für den Verkauf drängte, erst einmal normale Ökotex 100% Stoffe gekauft und damit die erste Serie genäht. Uns war dies wichtig, da bei der Herstellung dieser Stoffe darauf geachtet wird, dass die Stoffe fair gehandelt werden und keine Kinderarbeit bei der Erstellung eingesetzt wird. Parallel dazu sammelten wir in einer Box in unserer Schule alte Stoffe, schickten sie wegen Corona in Quarantäne, indem wir sie eine Woche in die Kälte gestellt haben, sie dann bei 60°C mit Desinfektionsmitteln gewaschen und dann mit Dampf bei höchster Temperatur gebügelt haben. Anschließend wurden die Stoffe für die Produktion unserer Verpackungen verwendet. Bei den Fäden verwenden wir ebenfalls gespendete Fadenrollen aus Baumwolle. Uns war wichtig Ressourcen zu nutzen, die sich bereits im Stoffkreislauf befinden und bei denen ein Upcycling gut möglich ist, um weitere Ressourcen und Energie, die für die Entstehung neuer Stoffe gebraucht werden, zu schonen. Wir können natürlich nicht sagen, unter welchen Bedingungen die gesammelten Stoffe hergestellt wurden, allerdings hilft das Upcycling unter ökologischen Aspekten bereits sehr.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen waren die im Japanischen verwendeten Furoshikis, die ein Quadrat als Grundfläche haben. Uns ist allerdings aufgefallen, dass diese für unser Vorhaben zu viel Stoffmaterial brauchen und man unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit Stoff einsparen kann, wenn man bestimmte Teile aus dem Quadrat herausnimmt. Wir haben dann viele verschiedene Flächennetze probiert und die Größenverhältnisse innerhalb der Verpackungen so lange angepasst, bis ein Netz entstanden ist, das als Grundlage für das Verpacken von Büchern, CDs, DVDs, kleinen Spielen, Taschenkalendern usw. verwendet werden kann. Wir haben außerdem eine zweite, etwas kleinere Variante entwickelt, die vor allem für kleine Bücher und CDs einsetzbar ist.

Wir stellten schnell fest, dass die Produktion schneller läuft, wenn wir nicht jedes Mal Verhältnisse ausmessen, sondern eine Schablone zum Aufzeichnen verwenden und wenn wir beim Abstecken, was die meiste Zeit in Anspruch nimmt, nur noch kritische Bereiche, wie die Ecken, genau abstecken. Mit etwas Übung können die anderen Teile auch ohne Abstecken genäht werden, was sehr viel Zeit spart. Brauchten wir anfänglich fast 45 Minuten für die Erstellung einer Verpackung, so schaffen wir es aktuell in etwa 24 Minuten (Aufzeichnen: 2:30Min, Ausschneiden 3:00Min, Abstecken 8:30Min, Nähen 10Min).

Da wir auch Hörbücher und CDs möglichst Material- und Kostensparend einpacken können wollen, haben wir auf der Grundlage des dritten Prototyps noch eine kleinere Form entwickelt.

Weiterhin war uns wichtig, unser Produkt mit einem Logo zu versehen und ihm einen Namen zu geben. Deshalb zeichneten wir unser Logo (siehe Abbildung 16), das eine verpackte Weltkugel darstellt, die mit einer roten Schleife geschmückt ist. Damit wollen wir ausdrücken, dass die Welt durch unser Produkt ein bisschen besser gemacht werden kann. Der Name des Produkts setzt sich zusammen aus „present“ = Geschenk „ecological“ = ökologisch und „sent“ = verschicken aus dem wir letztlich den Produktnamen „Precosent“ gemacht haben. Anschließend haben wir einen Stempel mit unserem Logo anfertigen lassen, mit dem wir jedes Produkt mithilfe von Textilfarbe bedrucken und so eine weitere Orientierung für den Konsumenten beim Einpacken geben.

Da wir herausfinden wollten, ob sich unser Produkt auch für den Verkauf eignet, haben wir Kontakt mit Frau King von Buch Greuter aufgenommen. Diese war sehr schnell von unserer Verpackungsalternative überzeugt, sodass wir sie dort verkaufen durften. Schnell wurde für uns aber deutlich, dass wir während der Schulzeit nicht die benötigten Mengen produzieren können, sodass wir uns an Frau Dilger von Buntgut wendeten, die uns aktuell mit ihren Näherinnen bei der Produktion unterstützt. In einem Interview mit dem Gränzboten und dem Südfinder durften wir unser Produkt außerdem in der Zeitung vorstellen.


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